PÄDAGOGISCHE ZIELSETZUNG

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Die Berufsausbildung spielt im Leben des Menschen eine besondere Rolle. Durch den Eintritt in das Berufsleben ändert sich das soziale Umfeld. Während der Ausbildung, eingeschlossen der Aufenthalt in „St. Georg”, machen die jungen Menschen viele Erfahrungen, die zu ihrer Entwicklung beitragen.


Jugendliche

Unser sozialer Auftrag: begleiten, beraten, anleiten

Im Falle unserer Jugendlichen erfordert die schulische Ausbildung, die oft weit entfernt vom Elternhaus stattfindet, eine soziale Bewährung außerhalb der Familie und ist folglich für den Entwicklungs- und Lernprozess von entscheidender Bedeutung. Die Jugendlichen brauchen daher während ihrer Zeit in „St. Georg” dringend Ansprechpartner/innen, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, d.h. Menschen, die bereit sind, Gesprächspartner/in zu sein, sich auf Jugendliche und ihre Probleme, Widersprüchlichkeiten, Ängste, Zweifel und Fragen einzulassen. In diesem Sinn ist Jugendarbeit immer Beziehungsarbeit.


Ohne klare Strukturen geht es nicht - Regeln müssen sein

„St. Georg” bietet dem Jugendlichen während einer wichtigen Lebensphase ein „Stück Heimat”. Die Mitarbeiter/innen des Jugendwohnheims müssen deshalb Beständigkeit und Zuverlässigkeit als Basis der Vertrauensbildung aufweisen. Dazu gehören Regeln, die in der Heimordnung festgelegt sind. Diese Heimordnung wurde gemeinsam mit dem Heimkuratorium und somit auch unter Beteiligung der Heimbewohner/innen erarbeitet. Bei mehrfachen groben Verstößen gegen die Heimordnung werden die Eltern, die Schule und der Betrieb benachrichtigt. Im Extremfall erfolgt ein Ausschluss auf Zeit oder auch ein vollständiger Ausschluss aus dem Jugendwohnheim "St. Georg". Für jede Blockwoche werden von den Schülern/innen zwei Vertreter/innen gewählt, die sich für die Belange der Bewohner/innen einsetzen. Sie haben Stimmrecht im Heimkuratorium.

Verlässliche Regeln sind für unsere Jugendlichen sehr wichtig, da ihre Lebenssituation geprägt ist von verschiedenen Welten, in denen sie leben. Sie befinden sich in einem Übergangsstadium zwischen Jugend und Erwachsensein. Diese Entwicklungsphase ist geprägt von zahlreichen Um- und Neuorientierungen, von Fragen, Zweifeln, Unsicherheiten und Konfrontationen. Sie leben in einer Welt, die einerseits von Toleranz, Liberalität und Freiheit geprägt ist, andererseits aber von Orientierungslosigkeit und Individualisierung. In einer solch schwierigen Lebenssituation dürfen die Jugendlichen nicht sich selbst überlassen bleiben. Es ist deshalb notwendig, möglichst schnell ein Klima des Vertrauens und der Offenheit herzustellen.


Miteinander leben - Sozialverhalten

Für weitere wichtige Lernprozesse, wie z.B. die Stärkung des Sozialverhaltens und Entwicklung des Selbstwertgefühls, bietet unser Haus durch das gemeinsame Miteinander einen idealen Nährboden und gute Trainingsmöglichkeiten. Denn wo viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen zusammen- leben, geht es nicht ohne Toleranz, Selbständigkeit, Gemeinschaftssinn, Eigeninitiative, gewaltfreie Umgangsformen, Rücksichtnahme und kooperatives Verhalten. Eine Dominanz von Einzelnen und Gruppen wird nicht zugelassen.


Konflikte gibt es überall

Da die Jugendlichen eine Woche im Monat außerhalb ihrer gewohnten Umgebung in „St. Georg” verbringen, ist es unerlässlich, den jungen Menschen bei der Konfliktbewältigung zur Seite zu stehen. Hierbei kann es sich um Konflikte zwischen Jugendlichen handeln, um Schulprobleme, Heimweh, Probleme mit Alkohol, Freundschaften, Drogen, Familie oder um religiöse, politische und soziale Fragen.

Wir Mitarbeiter/innen sehen es als unsere Pflicht an, bei der gewaltfreien Konfliktbewältigung mitzuwirken, d.h. Konflikte müssen offengelegt und besprochen werden - nach Lösungen muss gesucht werden.


Räume für Träume


Räume

Die Voraussetzung zur Umsetzung dieser Ziele ist die Schaffung von Räumlichkeiten, in denen eine Atmosphäre herrscht, in der die jungen Menschen sich öffnen, Vertrauen gewinnen, Freunde kennenlernen, sich wohlfühlen und „die Seele baumeln” lassen können. Diese Voraussetzung wurde durch eine gelungene und liebevolle Renovierung des Gebäudes in den letzten Jahren geschaffen.


Persönliche Begleitung ist uns wichtig

Geeignete Räumlichkeiten alleine genügen jedoch nicht. Zum Konzept gehört auch das „zur Verfügungstellen” von positiven Vorbildern in Form von lebens- und berufserfahrenen Pädagogen, an denen sich die Jugendlichen orientieren und mit denen sie sich in einer konstruktiv-kritischen Weise auseinandersetzen können. Mit Jugendlichen arbeiten heißt, sich immer aufs Neue auf ihre Fragen einzulassen, gemeinsam mit ihnen Ideen zu spinnen, ihre Themen aufzugreifen und sich ihrer Kritik zu stellen.

Der Umgang mit Jugendlichen erfordert den ganzen Menschen, das heißt Kopf, Herz und Hand sind gleichermaßen wichtig und werden deshalb bei unserer Arbeit im Jugendwohnheim „St. Georg” zu gleichen Teilen berücksichtigt.

Unser oberstes Ziel ist es, eine Atmosphäre des Vertrauens, der Offenheit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zu schaffen. Hierzu gehören ebenso Geduld, Verständnis, Verschwiegenheit, Einsatzbereitschaft und Ideenreichtum. Unter Berücksichtigung all dieser Grundsätze, fällt es uns nicht schwer, den Jugendlichen wirklich ein „Stück Heimat” zu bieten.


Betreuerinnen

In „St. Georg” stehen den Jugendlichen folgende Mitarbeiter/innen zur Verfügung
(im Bild von links nach rechts)

  • Pädagogische Mitarbeiterin: Ulrike Schäffer, Erzieherin
  • Verwaltungsangestellte: Birgit Griesinger
  • Heimleiterin: Ingrid Ziller, Erzieherin
  • Pädagogische Mitarbeiterin: Sandra Pöpl, Erzieherin
  • Stellvertretende Heimleiterin: Ursula Neugebauer, Erzieherin
  • Pädagogische Mitarbeiterin: Hannelore Wietzorek, Grund- und Hauptschullehrerin
  • Pädagogische Mitarbeiterin: Tatjana Eitel, Jugend- und Heimerzieherin
  • Fünf Mitarbeiter/innen sind für den Hauswirtschaftlichen Bereich zuständig.

Alle Mitarbeiter/innen sind in Teilzeit beschäftigt. Das pädagogische Personal arbeitet in versetzten Dienstzeiten, so dass den Heimbewohner/innen rund um die Uhr ein/e Ansprechparter/in zur Verfügung steht. Ein großer Teil der Mitarbeiter/innen ist bereits langjährig in „St. Georg” beschäftigt. Diese Beständigkeit im Mitarbeiter-Team, d.h. die Verfügbarkeit konstanter, zuverlässiger Bezugspersonen, ist Grundlage und unabdingbare Voraussetzung als Basis der Vertrauensbildung und zum Erreichen junger Menschen. Trotz notwendiger Beständigkeit wollen wir uns, gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, den sich verändernden Bedürfnissen der jungen Menschen jedoch nicht verschließen.


Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke.

(Daphne du Maurier)

Unser pädagogisches Prinzip ist nach christlichen und humanistischen Grundsätzen ausgerichtet. Durch positive Erfahrungen, welche die Jugendlichen in „St. Georg” im Umgang mit Menschen machen, bietet sich für uns Mitarbeiter/innen die Chance, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen und so religiöse Grundsätze erfahrbar zu machen.

Unsere Arbeit ist stark geprägt durch den kurzzeitpädagogischen Charakter eines Jugendwohnheimes. Als katholische Einrichtung haben wir dennoch die Aufgabe, zur Bewusstmachung und Auseinandersetzung mit religiösen Themen und Lebensaspekten beizutragen.

Der Individualisierungs- bzw. Egoismus-Trend, der seit Jahren zu beobachten ist, macht auch vor den Toren von „St. Georg” nicht halt. Unser Ziel ist es deshalb, diesem Trend der Zeit christliche Werte entgegenzusetzen. Hierzu gehören u.a. gute Umgangsformen der Mitarbeiter/innen untereinander und zwischen Mitarbeiter/innen und Jugendlichen. Wir Mitarbeiter/innen haben den Jugendlichen gegenüber eine Vorbildfunktion in allen Lebensbereichen, d.h. es muss ein christlicher Geist im Hause herrschen, um einer gewissen Mutlosigkeit, Resignation, Isolation, Gewalttendenzen und Kommerzialisierung der Freizeit entgegenzuwirken. Wir können den jungen Menschen zwar kein Rezept zur Bewältigung ihres Lebens anbieten. Wir können aber Zeichen setzen, Wege aufzeigen und ggf. richtungsweisend für ein gelingendes Leben sein und zugleich Akzente setzen für ein zukünftiges, verantwortliches Miteinander innerhalb von Kirche und Gesellschaft.


Schulische Unterstützung


Lerngruppe

Ein weiteres wichtiges Ziel in „St. Georg” ist, Benachteiligungen aufgrund sozialer und individueller Lernvoraussetzungen abzuschwächen. Um schulische Defizite abzubauen, wird dreimal wöchentlich von einem/r Lehrer/in Nachhilfe angeboten. Die Jugendlichen sehen häufig noch nicht, zu welchen Folgen ein Leistungsmangel führen kann und benötigen deshalb entsprechende Unterstützung seitens der Mitarbeiter/innen bzw. anderer Heimbewohner/innen.

Da die Lernvoraussetzungen der Jugendlichen sehr unterschiedlich sind, wollen wir mit einem gezielten Nachhilfeunterricht erreichen, dass auch lernschwächere Schüler/innen Erfolgserlebnisse haben und dadurch ihre Motivation gesteigert wird. Der Nachhilfeunterricht wird in Kleingruppen (wenn nötig auch als Einzelunterricht) durchgeführt, d.h. er wird individuell gestaltet und deshalb kann jede/r Auszubildende auf dem Leistungsniveau lernen, das ihren/seinen Fähigkeiten und dem aktuellen Wissensstand entspricht. Dies ermöglicht es, auf spezifische Lernschwächen einzelner Jugendlicher eingehen zu können. Aufgrund dieser individuellen Förderung kommt es zu einer möglichen Leistungssteigerung und dadurch zu einer Motivationssteigerung, erhöhtem Selbstbewusstsein und einer positiven Einstellung zu Schule und Ausbildung.

Da der Nachhilfeunterricht keine Pflicht für die Jugendlichen ist, sondern auf Freiwilligkeit beruht, wird die Freude und das Interesse am Lernen gefördert und Anregung zum selbständigen und selbstgesteuerten Weiterlernen gegeben. Von Vorteil ist, dass nach dem Prinzip der Herausforderung gearbeitet werden kann, die keine Angst erzeugt. Eine bestmögliche Förderung des Einzelnen ist möglich, wobei die unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Motivationen der Jugendlichen berücksichtigt werden müssen. Der Nachhilfeunterricht kann nach Absprache von allen Heimbewohnern/innen in Anspruch genommen werden.


Freizeitgestaltung - aber sinnvoll


Freizeitgestaltung

Eine weitere zentrale Aufgabe sehen wir darin, sinnvolle Freizeitangebote anzubieten. Was „sinnvoll” für den Einzelnen ist, entscheidet jede/r Jugendliche selbst. Die Angebote sind jedoch eine echte Alternative zum „Kneipenbesuch”.

Unter freizeitpädagogischen Aspekten gestalten sich die Angebote so, dass es Möglichkeiten der Regeneration (=Erneuerung verbrauchter Energien) und der Kompensation (=Entwicklung anderer Fähigkeiten als in Schule und Beruf) ergeben. Sportliche Aktivitäten sind folglich genauso wichtig wie Angebote, welche die Kreativität bzw. Musikalität fördern. Durch verschiedene Workshops können die Jugendlichen der Jahreszeit entsprechende bzw. im Trend liegende Bastelarbeiten anfertigen und dadurch spezielle kreative Fähigkeiten entdecken und erlernen. Auch Gitarre spielen, Singen oder das Jonglieren kann bei uns als Freizeitbeschäftigung mit der Gruppe erlebt werden.

Nicht weniger wichtig sind Räumlichkeiten, um dem hektischen Alltag entfliehen zu können, also Orte, an denen man neue Kraft sammeln kann. Dies kann bei uns z.B. beim Musikhören oder Reden im gemütlich eingerichteten Musikzimmer oder in einem der drei Fernsehzimmer geschehen.

Weitere zentrale Treffpunkte sind für unsere Jugendlichen mehrere Sitzgruppen, die sich im Erdgeschoss (Eingangsbereich und Freizeitraum) befinden. Diese laden ein zum Kontakte knüpfen, Reden, Spielen, Verweilen, Basteln, Lesen, Musizieren und Singen. Viele Gespräche der Jugendlichen untereinander und mit uns Mitarbeiter/innen finden hier oder im Büro statt, das sich ebenfalls im Erdgeschoss befindet.
Wer Freude am Kochen und Backen hat, kann sich in der Teeküche etwas Leckeres zubereiten.

Das Haus bietet verschiedene Freizeitangebote

  • Tischfußball
  • Tischtennis
  • Billard
  • Fußballtennis
  • Verschiedene Fitnessgeräte
  • Dart
  • Filmabende (finden im Heimkino der Jugendbar statt)
  • Verschiedene Spielekonsolen mit ansprechenden Spielen (z.B. Wii, Singstar)
  • Gesellschaftsspiele (Brett- und Kartenspiele)

Das Heimgelände bietet Möglichkeiten zum Spielen von

  • Volleyball
  • Fußball
  • Federball
  • Schach im Freien

Außerdem können unsere Jugendlichen 1 mal wöchentlich mit einer Mitarbeiterin zum Kegeln gehen. Zusätzliche Aktivitäten, die auf Wunsch der Schüler/-innen angeboten werden sind Schlittschuhlaufen, Minigolf, Schwimmen und Sport auf dem Trimm-dich-Pfad. Auch das Feste feiern kommt bei uns nicht zu kurz. Hierzu gehören Advents- und Weihnachtsfeiern, Faschingsfeiern, Sommer- und Grillfeste.

Bei Bedarf werden von uns themenbezogene Vorträge organisiert (z.B. über Suchtgefahren). Außerdem sind Geschäftsstellen der Betriebsseelsorge und der KAB (Katholische Arbeiter Bewegung) im dritten Stockwerk unseres Hauses untergebracht. Diese Tatsache ermöglicht es unseren Jugendlichen, sich zwanglos mit den Mitarbeitern dieser Institutionen zu unterhalten und Ratschläge einzuholen. Uns erlaubt es, kurzfristig und ohne viel Planung, Vorträge über die Arbeit der Betriebsseelsorge und der KAB anzubieten.

Bei allen Aktivitäten steht das miteinander Erleben im Vordergrund, aber auch die Erfahrung des Kennenlernens der eigenen Fähigkeiten und Grenzen.